Vermögenssituation klären

Vermögensstrategische Wende

Mit dem beruflichen UNRuhestand kommt es zu einem Wendepunkt in der Vermögensstrategie: wo früher die Frage wichtig war, wieviel heute gespart und rentabel investiert werden kann, geht es nunmehr darum, wieviel dauerhaft entnommen werden kann und welche Risiken die finanzielle Lebensplanung gefährden können!

 

Während des Vermögensaufbaus lassen sich viele Risiken durch Zeit ausgleichen: Kursrückgänge, wirtschaftliche Krisen oder vorübergehende Wertverluste sind unangenehm, können aber häufig durch weitere Sparraten und lange Anlagezeiträume ausgeglichen werden.

Im Ruhestand verändert sich diese Situation.

Nun wird Vermögen nicht mehr aufgebaut, sondern genutzt. Deshalb rücken andere Risiken in den Vordergrund:

  • Langlebigkeitsrisiko
  • Inflationsrisiko
  • Pflegekostenrisiko
  • Gesundheitskosten
  • Kapitalmarktrisiken während laufender Entnahmen
  • steuerliche Risiken
  • Risiken im Zusammenhang mit Immobilien
  • Erb- und Nachfolgethemen

Nicht selten wird deshalb Sicherheit wichtiger als die Maximierung der Rendite.

Rendite bleibt wichtig – aber mit anderer Zielsetzung und nicht um jeden Preis

Das bedeutet nicht, dass Rendite im Ruhestand unwichtig wird - im Gegenteil. Auch im Ruhestand muss Vermögen häufig über Jahrzehnte hinweg Kaufkraft erhalten und laufende Entnahmen ermöglichen. Der Unterschied liegt jedoch in der Zielsetzung. Deshalb bleibt Rendite weiterhin notwendig.

Die zentrale Frage lautet nicht mehr: „Wie hoch ist die erwartete Rendite?“

Sondern: „Mit welcher Vermögensstruktur und welcher Entnahmestrategie kann ich meine Ziele mit möglichst hoher Wahrscheinlichkeit erreichen?“

Die Ruhestandsplanung wird damit von einer klassischen Renditeoptimierung zu einer Risiko- und Wahrscheinlichkeitsplanung.

Diese Sichtweise führt regelmäßig zu einer anderen Vermögensstruktur, einer anderen Liquiditätsplanung und einer anderen Gewichtung einzelner Anlageformen, weil andere Fragen fokussiert werden:

  • Ist meine aktuelle Vermögensstruktur richtig für meine Wünsche & Ziele im Ruhestand?
  • Wieviel Rendite/Risiko brauche ich noch in meinen Vermögensanlagen?
  • Habe ich genug Vermögen um Kapital zu erhalten? Oder muss ich entsparen, d. h. Kapital verzehren?
  • Welche Einkommensstrategie verfolge ich?
  • Wie weitreichend (oder nicht) sind staatliche Sicherungsmechanismen?
  • Reicht mein Kapital auch um Falle eines Pflegefalls?
  • Wie schaut meine Pflegevorsorge aus (als Vermögensschutz - "Kinder haften für ihre Eltern" - später natürlich auch als eigene Vorsorge und für die Familie)?
  • Wieviel Kapital, zu welchem Zeitpunkt, an wen und in welcher Form möchte ich übertragen/vererben?
  • Wie kann ich steuerbegünstigt vorzeitig schenken, übertragen oder vererben?
  • Was mache ich mit meiner Immobilie? Bleibt sie als mein "Heim" erhalten? Oder schafft sie Liquidität als Vermögensmasse?
  • Ist mein Heim ruhestandsgerecht?
  • Die Immobilie ist häufig auch wichtigster Baustein bei Erbschaften, deshalb: wie gehe ich damit um?

Viele dieser Fragen sind unabdingbar, jedoch meistens nicht leicht zu beantworten - die emotionalen Betroffenheit der Entscheider trübt in aller Regel den Blick oder verfälscht ihn sogar!

Vermögensoptimierung und -verwendung

6 von 10 der über 50-Jährigen und 2/3 der Rentner setzen überwiegend auf kurzfristige Anlagen. Sie verschenken so höhere Renditen, die ihre finanzielle Situation im Alter deutlich verbessern könnten - oder die sie sogar zwingend zur sicheren Erreichung ihrer Ziele benötigen!

Da Alternativen zu kurzfristig verfügbaren, renditestarken Anlageformen fehlen und eine kundenorientierte, objektive Beratung anbieterseitig häufig nicht angeboten wird (für Banken und Versicherer ist eine entsprechende Beratung nicht erlösstark genug, lieber werden Aktienfonds und Lehman-Zertifikate verkauft!), liegt der Fokus auf Bankprodukten als "Parkplatz", meistens in Form von Sparbüchern, Tages- oder Festgeldern.

Das spiegelt den Wunsch nach möglicher Einflussnahme auf nicht planbare Lebensereignisse wieder. Demnach sind Verfügbarkeit und Sicherheit wichtigste Kriterien in Bezug auf die Vermögensanlage.

Da sich 75% auf eigene Einschätzungen oder ihren Partner verlassen, nur 20% zusätzliche Informationen von Freunden und Bekannten einholen und lediglich 5% auf den Rat eines professionellen Vermögensverwalters vertrauen, ist dieses Bild nicht überraschend - aber sehr, sehr teuer!

Eine ganzheitliche Ruhestandsplanung betrachtet nicht nur Chancen und Renditen. Sie berücksichtigt ebenso die Risiken, die sich auf die langfristige finanzielle Stabilität auswirken können.

Die eigentliche Herausforderung beginnt mit der Entnahmephase

Während des Vermögensaufbaus profitieren Anleger häufig von zwei wichtigen Verbündeten:

  • Zeit
  • regelmäßigen Sparraten

Kursschwankungen sind dann zwar unangenehm, können aber oftmals sogar hilfreich sein. Denn durch regelmäßige Investitionen werden bei niedrigeren Kursen mehr Anteile erworben als bei hohen Kursen. Dieser Mechanismus wird häufig als Cost-Average-Effekt bezeichnet.

Mit Beginn des Ruhestands dreht sich dieser Effekt jedoch häufig um: wer regelmäßig Kapital entnimmt und gleichzeitig in einer schwachen Marktphase Vermögenswerte verkaufen muss, veräußert mehr Anteile als eigentlich notwendig wäre. Dies wird häufig als negativer Cost-Average-Effekt beschrieben.

Besonders kritisch kann dies in den ersten Jahren des Ruhestands werden.

Das Risiko schlechter Börsenjahre zum falschen Zeitpunkt

Für den langfristigen Anlageerfolg spielt nicht nur die durchschnittliche Rendite eine Rolle. Ebenso wichtig ist die Reihenfolge, in der positive und negative Kapitalmarktjahre auftreten.

Zwei Anleger können über mehrere Jahrzehnte exakt dieselbe durchschnittliche Rendite erzielen und dennoch völlig unterschiedliche Ergebnisse erreichen.

Der Grund: Negative Marktphasen zu Beginn der Entnahmephase können deutlich schwerwiegendere Auswirkungen haben als identische Verluste viele Jahre später.

Dieses Risiko wird als Sequence-of-Returns-Risk bezeichnet. Es gehört zu den wichtigsten, gleichzeitig aber am seltensten beachteten Risiken in der Ruhestandsplanung.

Die Vermögensstruktur muss sich verändern

Viele Strategien, die während des Vermögensaufbaus sinnvoll waren, eignen sich nicht automatisch für die Entnahmephase.

Mit dem Übergang in den beruflichen UNRuhestand verändern sich die Fragestellungen:

Früher:

  • Wie viel Vermögen kann aufgebaut werden?
  • Welche Rendite ist erreichbar?
  • Wie hoch kann die Sparquote sein?

Heute:

  • Wie viel kann dauerhaft entnommen werden?
  • Welche Risiken gefährden meine Planung?
  • Welche Liquiditätsreserven werden benötigt?
  • Wie lange soll mein Vermögen reichen?
  • Welcher Teil des Vermögens soll erhalten bleiben?
  • Welcher Teil darf bewusst verbraucht werden?

Und: die wesentlichen Fragen und Sachverhalte, die die persönliche Ruhestandsplanung betreffen, sind individuell, hochkomplex und beeinflussen sich gegenseitig. Das alles können Laien nicht überblicken oder sogar lösen - das geht nur mit qualifizierter, individueller und unabhängiger Beratung durch einen Experten.

Denn am Ende des Tages geht es nicht darum, das höchste Vermögen zu besitzen. Sondern darum, mit hoher Wahrscheinlichkeit die eigenen Ziele, Wünsche und Lebensvorstellungen dauerhaft finanzieren zu können.

Tasten wir uns behutsam und sorgsam an diese Fragestellungen heran, damit Sie die für sich richtigen Entscheidungen treffen! Ich zeige Ihnen sinnvolle Anlagealternativen zum Girokonto, Tagesgeldkonto und Sparbuch auf - natürlich unter Berücksichtigung Ihrer Risikoaversion, Ihrem Sicherheitsempfinden und unterschiedlicher Szenarien, die wir gemeinsam entwickeln!

 

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